
Gebrauchshunde- und Schutzhundesport
Share

Gebrauchshundesport, insbesondere der Schutzhundesport, wird oft als anspruchsvolle Disziplin für Mensch und Hund dargestellt. Doch ist es wirklich eine sinnvolle Beschäftigung – oder schlicht eine veraltete Praxis, die Hunden unnötigen Stress und Druck aufbürdet? In einer Zeit, in der Hunde als Familienmitglieder geschätzt werden, stellt sich die Frage: Gehört diese Art des Hundetrainings noch in unsere moderne Gesellschaft?
Schutzhundesport – eine überholte Tradition?
Der Ursprung des Schutzhundesports liegt in der Ausbildung von Diensthunden für Polizei und Militär. Das Ziel war es, Hunde so zu trainieren, dass sie „funktionieren“ – auf Kommando angreifen, festhalten, verteidigen. Was damals aus militärischer Sicht sinnvoll erschien, ist heute mehr als fragwürdig.
Trotz vieler moderner Methoden basiert der Sport weiterhin auf Zwang, Druck und Gehorsam um jeden Preis. Hunde werden in Situationen gebracht, die ihre natürlichen Instinkte manipulieren und ihren Stresslevel enorm erhöhen.
Hunde sind keine Waffen
Ein weit verbreitetes Argument der Befürworter ist, dass Schutzhundesport nur mit nervenstarken, wesensfesten Hunden betrieben wird. Doch selbst bei den besten Hunden bleibt die Frage: Warum muss ein Hund lernen, einen Menschen zu stellen oder gar anzugreifen?
Die Vorstellung, dass ein Hund „Schutz“ bieten muss, entspringt längst überholten Denkmustern. Heute setzen wir auf Sicherheit durch Erziehung, Sozialisation und klare Kommunikation – nicht durch „Abrichtung“.
Psychischer und physischer Stress
Moderne Verhaltensforschung zeigt, dass Hunde im Schutzhundesport oft massivem Stress ausgesetzt sind. Dazu gehören:
- Erhöhter Cortisolspiegel: Studien belegen, dass die Stresshormone bei Hunden im Schutzdienst erheblich ansteigen.
- Druck und Konditionierung: Hunde müssen sich Situationen unterwerfen, die sie von Natur aus vermeiden würden.
- Verändertes Verhalten: Auch gut trainierte Hunde können durch diese Art der Ausbildung ungewollte Reaktionen entwickeln.
Das Argument, dass der Sport eine „kontrollierte“ Form des Schutzverhaltens sei, verkennt, dass Hunde keine Maschinen sind. Ihr Verhalten kann in unvorhergesehenen Situationen nicht immer genau gesteuert werden.
Zeit für einen Wandel
Gebrauchs- und Schutzhundesport stammen aus einer Zeit, in der Hunde in erster Linie Werkzeuge waren. Heute sind sie geliebte Begleiter und Familienmitglieder. Die Erziehung von Hunden sollte sich an modernen, wissenschaftlich fundierten Methoden orientieren, die Kooperation, Bindung und Vertrauen fördern – nicht Angst, Druck und Zwang.
Was sind Alternativen?
- Nasenarbeit: Suchspiele, Mantrailing oder Rettungshundearbeit fordern den Hund artgerecht.
- Obedience & Tricktraining: Positive Verstärkung sorgt für Gehorsam ohne Zwang.
- Dog Dancing & Agility: Fördert Körperbeherrschung, Gehorsam und Spaß gleichermaßen.
Fazit
Der Schutzhundesport gehört in eine andere Zeit – nicht in eine Gesellschaft, die Hunde als fühlende Lebewesen respektiert. Wer eine sinnvolle Beschäftigung für seinen Hund sucht, sollte auf Trainingsmethoden setzen, die Freude und Vertrauen fördern. Denn eines ist klar: Hunde sind keine Waffen – sie sind Freunde.