
Qualzucht
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Qualzuchten in der Heimtierhaltung:
Wenn Schönheit auf Kosten des Lebens geht
Ob kurznasige Hunde, überzüchtete Schäferhunde oder extrem langhaarige Meerschweinchen – viele Haustiere sind heute das Ergebnis extremer Züchtung. Was für uns "süß" oder "besonders" aussieht, bedeutet für die Tiere oft lebenslanges Leid. Qualzuchten sind kein Kavaliersdelikt, sondern ein massives Tierschutzproblem.
Was sind Qualzuchten?
Qualzuchten sind Zuchtlinien, bei denen körperliche Merkmale gezielt gefördert wurden, die zu gesundheitlichen Einschränkungen führen. Dabei sind nicht nur auffällige Merkmale wie eine kurze Nase betroffen, sondern auch rassebedingte Erkrankungen wie Hüftdysplasie oder Bandscheibenprobleme. Die Tiere können durch ihre angezüchteten Merkmale nicht mehr normal leben, atmen oder sich fortbewegen.
Ein paar Beispiele für Qualzuchten
1. Kurzköpfige (brachycephale) Hunde und Katzen
Rassen wie Mops, Französische Bulldogge, Perserkatzen oder Englische Bulldoggen haben extrem verkürzte Nasen. Die Folge:
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Chronische Atemnot (Brachyzephales Atemnotsyndrom)
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Hitzeempfindlichkeit, da sie sich kaum durch Hecheln abkühlen können
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Deformation des Schädels, was zu Zahnproblemen und Augenentzündungen führt
2. Schäferhunde mit übertriebenem Rückenabfall
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Die meisten Schäferhunde werden mit einer extrem schrägen Rückenlinie gezüchtet, die massive Probleme im Bewegungsapparat verursacht.
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Hüftdysplasie (HD) und Ellenbogendysplasie (ED) sind bei dieser Rasse weit verbreitet und führen zu chronischen Schmerzen.
3. Dackel mit überlangem Rücken
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Der stark verlängerte Rücken und die kurzen Beine führen zu einem hohen Risiko für Bandscheibenvorfälle (Dackellähme).
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Viele Dackel erleiden im Laufe ihres Lebens schwere Wirbelsäulenprobleme.
4. Nacktkatzen (Sphynx) und haarlose Hunde
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Ihnen fehlen oft Vibrissen (Tast- und Schnurrhaare), was ihre Sinneswahrnehmung stark einschränkt.
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Sie können keine Körperwärme speichern und sind anfällig für Kälte oder Sonnenbrand.
5. Überzüchtete Meerschweinchen, Kaninchen und Nagetiere
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Extrem langhaarige Meerschweinchen leiden unter Fellverfilzung und können sich selbst nicht pflegen.
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Widderkaninchen haben häufig Ohrprobleme, da ihre Schlappohren schlecht belüftet werden.
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Zwergkaninchen mit zu kurzen Schnauzen leiden an Zahnfehlstellungen und Verdauungsproblemen.
Warum werden Qualzuchten nicht verboten?
Theoretisch sind sie das bereits. Das deutsche Tierschutzgesetz (§ 11b) verbietet die Zucht von Tieren mit Merkmalen, die Schmerzen oder Leiden verursachen. In der Praxis wird dieses Gesetz aber kaum durchgesetzt. Verbote würden der Zuchtindustrie schaden, und viele Halter*innen sind sich der Problematik nicht bewusst.
Warum kaufen Menschen trotzdem Qualzuchten?
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Unwissenheit: Viele Menschen wissen nicht, dass die "süßen" Merkmale für die Tiere Qual bedeuten.
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Trends und Modeerscheinungen: Social Media und Werbung prägen das Bild von "süßen" Haustieren.
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Unser Schönheitsempfinden: Viele Menschen finden große Augen, kleine Nasen oder besonders langes Fell ansprechend – ohne die Konsequenzen zu bedenken.
Was kann man dagegen tun?
1. Keine Qualzuchten kaufen
Wer eine Rasse mit bekannten Qualmerkmalen unterstützt, fördert das Leid weiter. Besser: Tiere aus dem Tierschutz adoptieren oder auf gesunde Zuchtlinien setzen.
2. Aufklärung betreiben
Viele Menschen wissen einfach nicht, was hinter der "süßen" Optik steckt. Aufklärung durch soziale Medien, Gespräche und Organisationen kann helfen, den Trend zu stoppen.
3. Politische Regelungen fordern
Es braucht ein strengeres Verbot von Qualzuchten – mit klaren Definitionen, welche Merkmale als tierschutzwidrig gelten.
Fazit: Kein Tier sollte für unser Schönheitsempfinden leiden
Jedes Lebewesen verdient ein gesundes, schmerzfreies Leben. Qualzuchten müssen endlich als das erkannt werden, was sie sind: Tierquälerei aus Modegründen. Wer Tiere liebt, sollte darauf verzichten, ihr Leid durch fragwürdige Zuchtpraktiken zu unterstützen.
Mehr über das Thema Qualzucht findest du auch bei Peta Deutschland.